Pflege-Glossar
Alle wichtigen Begriffe rund um die Pflege, von ambulanter Pflege über Beatmung bis zu Pflegerecht und Finanzierung. Kurz, präzise und verständlich erklärt.
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10-Minuten-Aktivierung
10-Minuten-Aktivierung ist ein kurzes, regelmäßiges Beschäftigungsangebot für Menschen mit Demenz, das Erinnerungen, Bewegung und Gespräch anregt.
24-Stunden-Pflege
24-Stunden-Pflege ist eine Versorgung rund um die Uhr, bei der pflegebedürftige Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit betreut werden.
A
Affolter-Modell
Affolter-Modell ist eine Pflegemethode, bei der die Hände des Betroffenen geführt werden, damit er Alltagshandlungen über das Spüren neu begreift.
ALS-Versorgung
ALS-Versorgung ist die pflegerische Betreuung von Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose, einer fortschreitenden Nervenkrankheit, die die Muskeln lähmt.
Ambulante Pflege
Ambulante Pflege ist die Pflege und Betreuung zu Hause, bei der eine Pflegekraft zu festen Zeiten in die eigene Wohnung kommt, statt im Heim zu versorgen.
Anschubfinanzierung (Pflege-Wohngruppen)
Anschubfinanzierung ist ein einmaliger Zuschuss der Pflegekasse für die Gründung einer ambulant betreuten Wohngruppe, bis zu 2.500 Euro je Person.
Apnoe und Hypoventilation
Apnoe und Hypoventilation bezeichnen Atemstillstand und eine zu flache Atmung, die zu Sauerstoffmangel führen und besonders im Schlaf gefährlich werden.
Atemgasklimatisierung (HME)
Atemgasklimatisierung ersetzt mit einem HME-Filter die Funktion der Nase, die Atemluft bei beatmeten Menschen anzuwärmen und zu befeuchten.
Außerklinische Intensivpflege (§ 37c SGB V)
Außerklinische Intensivpflege ist ein eigener Anspruch nach § 37c SGB V für Menschen mit besonders hohem Versorgungsbedarf, etwa bei Beatmung.
B
Basale Stimulation
Basale Stimulation spricht Menschen, die sich kaum bewegen oder mitteilen können, über die Sinne an, um Wahrnehmung und Kontakt zu fördern.
Beatmungspflege
Beatmungspflege ist die spezialisierte Versorgung von Menschen, die dauerhaft oder zeitweise künstlich beatmet werden müssen, oft als 1:1 Intensivpflege.
Behandlungspflege
Behandlungspflege umfasst medizinische Leistungen auf ärztliche Verordnung, etwa Medikamentengabe, Wundversorgung oder Injektionen, finanziert von der Krankenkasse.
Behandlungspflege-Leistungskomplexe
Behandlungspflege-Leistungskomplexe sind festgelegte Pakete medizinischer Pflegeleistungen, mit denen der Pflegedienst auf ärztliche Verordnung gegenüber der Krankenkasse abrechnet.
Betreutes Wohnen
Betreutes Wohnen verbindet eine eigene Wohnung mit der Sicherheit, bei Bedarf Pflege- und Betreuungsleistungen flexibel hinzubuchen zu können.
Bezugspflege (Primary Nursing)
Bezugspflege bedeutet, dass eine feste Pflegefachkraft hauptverantwortlich einen Menschen betreut und seine Versorgung plant, für mehr Vertrautheit und Verlässlichkeit.
Bobath-Konzept
Bobath-Konzept bezeichnet einen Pflege- und Therapieansatz, der nach einem Schlaganfall verlorene Bewegungen wieder anbahnt und die betroffene Körperseite bewusst einbezieht.
Bronchialtoilette
Bronchialtoilette fasst alle Maßnahmen zusammen, mit denen die Atemwege von zähem Schleim befreit werden, etwa Inhalation, Lagerung und Absaugen.
D
Dekanülierung
Dekanülierung ist das endgültige Entfernen der Trachealkanüle, wenn jemand wieder sicher selbstständig über Mund und Nase atmen und schlucken kann.
Demenz
Demenz ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, bei denen Gedächtnis, Denken und Orientierung nach und nach nachlassen und Betroffene mehr Begleitung im Alltag brauchen.
Dysphagie
Dysphagie ist eine Schluckstörung, bei der Essen, Trinken oder Speichel nicht sicher in die Speiseröhre gelangen, was Verschlucken und Lungenentzündungen begünstigen kann.
E
Eigenanteil-Begrenzung (AKI)
Eigenanteil-Begrenzung bedeutet bei der außerklinischen Intensivpflege: Versicherte zahlen nur in den ersten 28 Tagen je Jahr 10 Prozent zu, danach entfällt die Zuzahlung.
Entlastungsbetrag
Entlastungsbetrag ist eine zweckgebundene monatliche Leistung der Pflegekasse von 131 Euro ab Pflegegrad 1 für Betreuung und Entlastung.
Expertenstandards (DNQP)
Expertenstandards sind bundesweit gültige Vorgaben des DNQP für gute Pflege, etwa zu Dekubitus, Schmerzen oder Sturzvermeidung.
G
H
Härtefallregelung
Härtefallregelung ermöglicht in seltenen, besonders schweren Fällen höhere Pflegeleistungen, als der Pflegegrad sonst vorsieht.
Hausnotruf
Hausnotruf ist ein System, mit dem Menschen im Notfall per Knopfdruck schnell Hilfe rufen können; die Pflegekasse bezuschusst es bei Pflegegrad.
Hauswirtschaftliche Versorgung
Hauswirtschaftliche Versorgung ist die Hilfe im Haushalt, etwa beim Einkaufen, Kochen, Reinigen und Wäschewaschen, als Ergänzung zur Pflege.
Heimrespirator
Heimrespirator ist ein Beatmungsgerät für zu Hause oder die Wohngemeinschaft, das die Atmung über Maske oder Trachealkanüle unterstützt.
Höherstufung und Widerspruch (Pflegegrad)
Höherstufung und Widerspruch beschreiben den Antrag auf einen höheren Pflegegrad und den schriftlichen Einspruch gegen eine Entscheidung der Pflegekasse.
I
Intensivpflege
Intensivpflege ist die aufwendige Versorgung schwer kranker Menschen, oft im Verhältnis 1:1 und rund um die Uhr, zu Hause oder in einer Wohngemeinschaft.
Isolationspflege
Isolationspflege ist die Versorgung unter besonderen Hygieneschutzmaßnahmen, wenn ein Mensch ansteckende oder multiresistente Erreger trägt.
K
Kinaesthetics
Kinaesthetics ist eine Methode, bei der Bewegungen so begleitet werden, dass die eigenen Kräfte des pflegebedürftigen Menschen genutzt werden.
Kurzzeitpflege
Kurzzeitpflege ist eine vorübergehende vollstationäre Versorgung, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die Pflege zu Hause kurzfristig nicht möglich ist.
M
Medizinischer Dienst (MD)
Der Medizinische Dienst ist eine unabhängige Stelle, die im Auftrag der Pflegekassen begutachtet, ob und in welchem Umfang Pflegebedürftigkeit vorliegt.
MRSA (multiresistente Erreger)
MRSA sind Bakterien, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken und die für geschwächte Pflegebedürftige gefährlich werden können.
N
NBA (Neues Begutachtungsassessment)
Das NBA ist das Verfahren, mit dem der Medizinische Dienst anhand der Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen den Pflegegrad ermittelt.
NIV und invasive Beatmung
NIV und invasive Beatmung sind zwei Wege der künstlichen Beatmung: über eine Maske oder über eine Trachealkanüle im Hals.
P
Palliativpflege
Palliativpflege ist die Begleitung und Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen mit dem Ziel, Beschwerden zu lindern und Würde zu wahren.
Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung ist ein Dokument, in dem man im Voraus festlegt, welche medizinischen Maßnahmen man wünscht oder ablehnt, falls man sich nicht mehr äußern kann.
Pflege-Wohngemeinschaft
Eine Pflege-Wohngemeinschaft ist eine Wohnform, in der mehrere pflegebedürftige Menschen zusammenleben und gemeinsam professionell betreut werden.
Pflegeberatung (§ 37.3 SGB XI)
Pflegeberatung nach § 37.3 SGB XI ist ein verpflichtender Beratungsbesuch für Menschen, die Pflegegeld beziehen und zu Hause gepflegt werden.
Pflegegeld
Pflegegeld ist eine Geldleistung der Pflegekasse, die direkt an die pflegebedürftige Person geht, wenn Angehörige oder private Personen die Pflege übernehmen.
Pflegegrad
Der Pflegegrad gibt an, wie stark ein Mensch auf Hilfe angewiesen ist, und bestimmt, welche Leistungen die Pflegekasse zahlt.
Pflegegrad-Module
Pflegegrad-Module sind die sechs Lebensbereiche, in denen bei der Begutachtung die Selbstständigkeit bewertet wird und die den Pflegegrad bestimmen.
Pflegehilfsmittel
Pflegehilfsmittel sind Produkte, die die Pflege zu Hause erleichtern, von Einmalhandschuhen bis zum Pflegebett, bezuschusst durch die Pflegekasse.
Pflegekasse
Die Pflegekasse ist der Träger der gesetzlichen Pflegeversicherung und finanziert die Leistungen bei Pflegebedürftigkeit, von Pflegegeld bis zu Zuschüssen.
Pflegesachleistung
Pflegesachleistung bezeichnet die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst, die direkt mit der Pflegekasse abgerechnet wird, gestaffelt nach Pflegegrad.
Pflegeüberleitung
Pflegeüberleitung sorgt für einen lückenlosen Übergang, etwa vom Krankenhaus nach Hause, indem alle wichtigen Informationen zur Versorgung weitergegeben werden.
Pflegeunterstützungsgeld
Pflegeunterstützungsgeld ist eine Lohnersatzleistung für Angehörige, die kurzfristig der Arbeit fernbleiben, um die Pflege eines nahen Menschen zu organisieren.
Pflegevisite
Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Kontrollbesuch, bei dem eine Pflegefachkraft die Versorgung überprüft und die Pflegeplanung an neue Bedürfnisse anpasst.
Pflegezeit und Familienpflegezeit
Pflegezeit und Familienpflegezeit erlauben Beschäftigten, für die Pflege von Angehörigen auszusteigen oder die Arbeitszeit zu reduzieren, abgesichert durch ein Darlehen.
Potenzialerhebung
Potenzialerhebung bezeichnet die ärztliche Untersuchung vor außerklinischer Intensivpflege, die prüft, ob eine Beatmung verringert oder beendet werden kann.
S
Sekretmanagement
Sekretmanagement umfasst alle Maßnahmen, mit denen zäher Schleim aus den Atemwegen gelöst und entfernt wird, damit die Atmung frei bleibt.
SIS (Strukturierte Informationssammlung)
SIS steht für Strukturierte Informationssammlung, den Einstieg in die schlanke Pflegedokumentation nach dem Strukturmodell.
Snoezelen
Snoezelen ist ein Sinnesangebot in einem ruhigen Raum mit sanftem Licht und leiser Musik, das Menschen mit Demenz beruhigt und entspannt.
Spastik-Management
Spastik-Management behandelt krankhaft erhöhte Muskelspannungen nach einer Hirn- oder Rückenmarksschädigung mit Lagerung, Bewegung und Medikamenten.
Sprechventil
Ein Sprechventil wird auf die Trachealkanüle gesetzt und leitet die Ausatemluft über die Stimmbänder, sodass beatmete Menschen wieder sprechen können.
Subglottische Absaugung
Subglottische Absaugung entfernt über eine spezielle Trachealkanüle das Sekret oberhalb des Cuffs und senkt so das Risiko einer Lungenentzündung.
T
Tagespflege
Tagespflege ist eine teilstationäre Betreuung am Tag in einer Einrichtung, die pflegende Angehörige entlastet und sozialen Kontakt bietet.
Tetraplegie
Tetraplegie bezeichnet die Lähmung von Armen und Beinen, meist nach einer Verletzung des Halsmarks, oft verbunden mit hohem Pflegebedarf.
Trachealkanüle
Eine Trachealkanüle ist ein Röhrchen, das durch einen Schnitt am Hals in die Luftröhre führt, um die Atmung zu sichern oder eine Beatmung zu ermöglichen.
Tracheostomapflege
Tracheostomapflege ist die Versorgung der Halsöffnung, durch die eine Trachealkanüle in die Luftröhre führt, mit Reinigung, Verbandwechsel und Hautkontrolle.
V
Validation (nach Naomi Feil)
Validation nach Naomi Feil ist eine wertschätzende Haltung im Umgang mit Demenz, bei der die Gefühle und die Wirklichkeit der Betroffenen ernst genommen werden.
Verhinderungspflege
Verhinderungspflege springt ein, wenn die pflegende Person verhindert ist, etwa durch Urlaub, Krankheit oder Erholung, und wird von der Pflegekasse bezuschusst.
Verordnung häuslicher Krankenpflege (Muster 12)
Die Verordnung häuslicher Krankenpflege (Muster 12) ist das ärztliche Formular, mit dem Behandlungspflege wie Wundversorgung oder Medikamentengabe verordnet wird.
Versorgungsverträge (§ 132l SGB V)
Versorgungsverträge nach § 132l SGB V regeln, unter welchen Bedingungen ein Pflegedienst außerklinische Intensivpflege anbieten und mit der Krankenkasse abrechnen darf.
Vorsorge bei Demenz
Vorsorge bei Demenz heißt, früh wichtige Dinge zu regeln: Vollmachten, Patientenverfügung und die Wahl einer passenden Wohn- und Betreuungsform.
Vorsorgevollmacht
Die Vorsorgevollmacht bevollmächtigt eine Vertrauensperson, im Ernstfall Entscheidungen zu treffen, wenn man dazu selbst nicht mehr in der Lage ist.
W
Wachkoma (Apallisches Syndrom)
Beim Wachkoma sind Menschen nach einer schweren Hirnschädigung zwar wach, reagieren aber kaum gezielt auf ihre Umgebung und brauchen Pflege rund um die Uhr.
Weaning (Beatmungsentwöhnung)
Weaning ist das schrittweise Abtrainieren von einem Beatmungsgerät, damit ein Mensch wieder selbstständig atmen lernt, oft mit anschließender Dekanülierung.
Wohngruppenzuschlag
Der Wohngruppenzuschlag ist eine monatliche Leistung von 224 Euro für Menschen in einer ambulant betreuten Wohngruppe zur Finanzierung einer gemeinsamen Hilfskraft.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen sind Umbauten wie ein barrierefreies Bad oder ein Treppenlift, die das Wohnen mit Pflegebedarf erleichtern und bezuschusst werden.