Was bedeutet das Affolter-Modell?
Nach einer Hirnschädigung, etwa durch einen Schlaganfall oder einen Unfall, können Menschen die Welt um sich herum oft nicht mehr richtig einordnen. Sie spüren nicht mehr klar, wo ihr Körper ist und wie er mit den Dingen in Berührung kommt. Solche Wahrnehmungsstörungen machen alltägliche Handlungen schwer. Das Affolter-Modell setzt genau an diesem Punkt an.
Bei der Methode führt die Pflegekraft die Hände des Betroffenen, statt die Handlung für ihn zu übernehmen. Gemeinsam wird zum Beispiel der Waschlappen gehalten, das Glas zum Mund geführt oder die Tür geöffnet. Über diesen geführten Kontakt mit Gegenständen und der Umgebung kann das Gehirn wieder lernen, Berührung und Bewegung sinnvoll zu verknüpfen. Der Mensch erfährt sich so als handelnd, nicht als passiv versorgt.
Wie hilft das im Pflegealltag?
Das Affolter-Modell wird nicht als gesondertes Training abgehalten, sondern in die ganz normalen Verrichtungen eingebaut: beim Waschen, Anziehen oder Essen. Dadurch wird jede Pflegesituation zugleich zu einer Gelegenheit, Wahrnehmung und Selbstständigkeit zu fördern. Wichtig sind ruhige Bewegungen, ein fester Kontakt und eine reizarme Umgebung, damit sich der Mensch auf das Spüren konzentrieren kann.
Die Methode wird oft mit anderen Konzepten kombiniert, etwa der Basalen Stimulation, die ebenfalls über die Sinne Kontakt aufbaut, oder dem Bobath-Konzept bei Lähmungen. Auch bei Menschen im Wachkoma kann das geführte Handeln einen Weg zur Umwelt eröffnen.
Das Affolter-Modell ersetzt keine ärztliche Therapie, sondern ergänzt sie. Es setzt geschultes Personal voraus, das die Technik sicher beherrscht und den Verlauf dokumentiert.