Wohnen im Alter

Wohnen im Alter: Welche Wohnform passt zu welchem Pflegebedarf?

Von der eigenen Wohnung über die Senioren-WG bis zum Pflegeheim: Welche Wohnform im Alter zu welchem Pflegebedarf passt, mit Vor- und Nachteilen im Überblick.

5 Min. Lesezeit |Aktualisiert: 19. Juni 2026

Im Alter und besonders bei Pflegebedürftigkeit stellt sich früher oder später die Frage: Wo und wie möchte ich wohnen? Die gute Nachricht ist, dass es heute weit mehr Möglichkeiten gibt als nur die Wahl zwischen den eigenen vier Wänden und dem Pflegeheim. Dieser Ratgeber stellt die wichtigsten Wohnformen vor, ordnet sie nach Pflegebedarf ein und zeigt Vor- und Nachteile, damit Sie eine Entscheidung treffen können, die zur Lebenssituation passt.

Worauf es bei der Wahl der Wohnform ankommt

Die passende Wohnform hängt nicht allein vom Alter ab, sondern vor allem von drei Fragen: Wie viel Hilfe wird im Alltag gebraucht? Wie wichtig ist die eigene Selbstständigkeit? Und welches Budget steht zur Verfügung? Der Pflegegrad gibt einen ersten Anhaltspunkt für den Hilfebedarf, ist aber nicht alles. Auch soziale Kontakte, die Angst vor dem Alleinsein und die Belastung pflegender Angehöriger spielen eine große Rolle.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen ambulanten Wohnformen, bei denen die Hilfe zu den Menschen nach Hause oder in die Wohngemeinschaft kommt, und stationären Wohnformen, bei denen die Versorgung in einer Einrichtung stattfindet. Eine neutrale Pflegeberatung hilft dabei, die Optionen für die eigene Situation zu sortieren.

Ambulante Wohnformen: selbstbestimmt mit Unterstützung

Ambulante Wohnformen eignen sich für alle, die ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten möchten. Etwa 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause versorgt.

Zu Hause wohnen, mit oder ohne Pflegedienst

Der Wunsch der meisten Menschen ist es, in der vertrauten Umgebung alt zu werden. Bei geringem Hilfebedarf reichen oft kleine Anpassungen wie ein Treppenlift, ein barrierefreies Bad oder ein Pflegebett. Reicht die Unterstützung durch Angehörige nicht aus, übernimmt ein ambulanter Pflegedienst die Grundpflege und behandlungspflegerische Aufgaben. Ergänzend gibt es Mahlzeitendienste, Hausnotruf und Pflegehilfsmittel. Für barrierefreie Umbauten zahlt die Pflegekasse bei vorhandenem Pflegegrad einen Zuschuss von bis zu 4.180 € je Maßnahme (Stand 2025, ohne Gewähr). Wie sich die Pflege zu Hause praktisch organisieren lässt, lesen Sie im Beitrag Pflege zu Hause organisieren.

Betreutes Wohnen

Beim betreuten Wohnen (auch Service-Wohnen oder Wohnen plus) leben Sie in einer eigenen, barrierearmen Wohnung, die zur Miete oder als Eigentum bezogen wird. Service- und Pflegeleistungen wie Essen, Hausnotruf oder ambulante Pflege buchen Sie nach Bedarf hinzu. Häufig gibt es Gemeinschaftsräume und ein Freizeitangebot. Wichtig: Es gibt keine einheitlichen Standards, deshalb lohnt sich ein genauer Blick in den Vertrag. Was dahinter steht, erklären wir kurz im Glossar unter betreutes Wohnen. Bernstein bietet diese Wohnform an, mehr dazu auf der Seite Betreutes Wohnen.

Senioren-WG / ambulant betreute Wohngemeinschaft

In einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft teilen sich mehrere Menschen eine große Wohnung. Jeder hat ein eigenes Zimmer, Küche, Bad und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt. Pflege und Betreuung sind meist rund um die Uhr vor Ort. Diese Form eignet sich besonders für Menschen mit Demenz und für alle, die das Alleinsein scheuen und soziale Nähe suchen. Sind mehrere Bewohner pflegebedürftig, können sie ihre Ansprüche auf Pflegesachleistungen bündeln, und es gibt einen monatlichen Wohngruppenzuschlag. Bernstein betreibt mehrere Senioren-WGs. Wer selbst eine Wohngemeinschaft gründen möchte, findet im Beitrag Pflege-WG in Düsseldorf gründen eine Anleitung.

24-Stunden-Betreuung

Bei sehr hohem Betreuungsbedarf, etwa wenn jemand nachts nicht allein bleiben kann, ist eine 24-Stunden-Betreuung eine Option. Dabei lebt eine Betreuungskraft im Haushalt und unterstützt im Alltag. Wichtig zu wissen: Eine solche Kraft darf hauswirtschaftliche und betreuende Aufgaben übernehmen, medizinische Behandlungspflege bleibt aber Sache eines examinierten Pflegedienstes. Häufig wird beides kombiniert.

Stationäre Wohnformen: rundum versorgt

Stationäre Wohnformen kommen ins Spiel, wenn die Versorgung zu Hause nicht mehr sicher zu leisten ist oder vorübergehend Entlastung gebraucht wird.

Pflegeheim (vollstationäre Pflege)

Das Pflegeheim bietet eine pflegerische und medizinische Betreuung rund um die Uhr. Es ist sinnvoll, wenn ein eigenständiges Leben im eigenen Haushalt nicht mehr möglich ist oder eine sehr umfassende Pflege nötig wird. Die Pflegekasse zahlt einen festen Anteil je nach Pflegegrad, die Kosten für Unterkunft und Verpflegung tragen Bewohner oder Angehörige selbst. Der Vorteil ist die durchgehende Versorgung, der Nachteil der Verlust der gewohnten Umgebung und der eigenen Wohnung.

Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege ist eine vorübergehende vollstationäre Versorgung, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt oder einem Sturz, bis die Pflege zu Hause wieder organisiert ist. Sie wird oft mit der Verhinderungspflege kombiniert. Seit Juli 2025 stehen für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zusammen bis zu 3.539 € pro Jahr als Gemeinsamer Jahresbetrag zur Verfügung (Stand 2025, ohne Gewähr). Wie Sie diesen Betrag optimal nutzen, erklärt der Beitrag Verhinderungs- und Kurzzeitpflege als Jahresbetrag.

Tages- und Nachtpflege

Bei der Tagespflege verbringt der pflegebedürftige Mensch den Tag in einer Einrichtung, wird betreut, verpflegt und nimmt an Aktivitäten teil, und kehrt abends nach Hause zurück. Ein Fahrdienst bringt ihn hin und zurück. Das entlastet pflegende Angehörige, die berufstätig sind, ganz besonders. Die Tagespflege ist also eine Ergänzung zur häuslichen Pflege, kein Ersatz. Die Nachtpflege funktioniert umgekehrt und hilft bei gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus, etwa bei Demenz. Die Pflegekasse beteiligt sich an den Kosten, Unterkunft und Verpflegung zahlen Betroffene meist selbst.

Die Wohnformen im Überblick

Die folgende Tabelle fasst zusammen, für welchen Pflegebedarf welche Wohnform typischerweise passt.

WohnformPassend beiSelbstständigkeitKostenträger Pflege
Eigene Wohnung mit Pflegedienstgeringer bis mittlerer BedarfhochPflegegeld / Pflegesachleistung
Betreutes Wohnengeringer Bedarf, Wunsch nach Sicherheithochambulant nach Bedarf
Senioren-WG (ambulant betreut)mittlerer bis hoher Bedarf, DemenzmittelPflegesachleistung + Wohngruppenzuschlag
24-Stunden-Betreuunghoher Betreuungsbedarf zu Hausemittelprivat, plus Pflegedienst
Tages- / NachtpflegeEntlastung Angehörigerhoch (bleibt zu Hause)Pflegekasse (anteilig)
Kurzzeitpflegevorübergehend, z.B. nach KlinikmittelJahresbetrag bis 3.539 €
Pflegeheimsehr hoher Bedarf, Versorgung zu Hause nicht möglichgeringHeimkostenanteil je Pflegegrad

So finden Sie die passende Lösung

Die Wahl der Wohnform ist selten endgültig. Viele Menschen beginnen zu Hause mit einem Pflegedienst, nutzen später eine Tagespflege zur Entlastung und ziehen erst bei steigendem Bedarf in eine Senioren-WG oder ins Heim. Wichtig ist, frühzeitig zu planen und sich neutral beraten zu lassen, bevor eine akute Situation entsteht. Lassen Sie sich die Pflegegrade und die zugehörigen Leistungen erklären, vergleichen Sie Angebote in Ruhe und beziehen Sie die Wünsche der betroffenen Person ein. Eine passende Wohnform ist die, in der sich der Mensch sicher, gut versorgt und so selbstbestimmt wie möglich fühlt.

Häufige Fragen

Welche Wohnform im Alter ist die richtige für mich?
Das hängt vor allem vom Pflegebedarf, vom Wunsch nach Selbstständigkeit und vom Geldbeutel ab. Bei geringem Hilfebedarf reicht oft die eigene Wohnung mit ambulantem Pflegedienst oder betreutes Wohnen. Bei hohem, rund um die Uhr bestehendem Pflegebedarf sind eine Senioren-WG mit Pflege, eine 24-Stunden-Betreuung oder ein Pflegeheim sinnvoller. Eine neutrale Pflegeberatung hilft, die passende Form zu finden.
Was ist der Unterschied zwischen betreutem Wohnen und einer Senioren-WG?
Beim betreuten Wohnen leben Sie in einer eigenen, barrierearmen Wohnung und buchen Service- und Pflegeleistungen nach Bedarf hinzu. In einer ambulant betreuten Senioren-Wohngemeinschaft teilen sich mehrere Menschen eine Wohnung mit eigenem Zimmer und gemeinsamen Räumen. Pflege und Betreuung sind dort meist rund um die Uhr vor Ort, was sich besonders bei Demenz oder höherem Pflegebedarf eignet.
Kann ich zu Hause wohnen bleiben, wenn ich pflegebedürftig werde?
In den meisten Fällen ja. Rund 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause versorgt. Mit einem ambulanten Pflegedienst, Hilfsmitteln, einem Hausnotruf und eventuell kleinen Umbauten lässt sich auch bei einem Pflegegrad ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden organisieren.
Übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die neue Wohnform?
Die Pflegekasse beteiligt sich an den Pflegekosten, je nach Pflegegrad über Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder den Heimkostenanteil. Die Kosten für Wohnen und Verpflegung tragen Sie in der Regel selbst. Wer in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft lebt, kann zusätzlich einen monatlichen Wohngruppenzuschlag erhalten.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

Wir beraten Sie unverbindlich und nehmen uns Zeit für Ihre Situation, telefonisch oder bei einem persönlichen Erstgespräch.

Pflegedienst Bernstein

Pflegedienst Bernstein

Inhabergeführter ambulanter Pflegedienst aus Düsseldorf, seit 2014. Ambulante Pflege, Intensiv- und Beatmungspflege.

Alle Themen finden Sie im Ratgeber. Begriffe kurz erklärt im Pflege-Glossar.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Beträge und Regelungen können sich ändern. Genannte Werte gelten, sofern nicht anders angegeben, für das Jahr 2025 ohne Gewähr. Maßgeblich sind im Zweifel immer die Auskünfte Ihrer Pflegekasse.