Grundlagen der Pflege

Folgeerkrankungen bei Pflegebedürftigkeit erkennen und vorbeugen

Wer viel liegt, riskiert Dekubitus, Thrombose oder Lungenentzündung. Welche Folgeerkrankungen bei Immobilität drohen, woran Sie sie erkennen und wie Sie vorbeugen.

4 Min. Lesezeit |Aktualisiert: 19. Juni 2026

Wer dauerhaft liegt oder sich nur noch wenig bewegen kann, ist nicht nur durch die eigentliche Erkrankung gefährdet. Die Unbeweglichkeit selbst zieht eigene Probleme nach sich. Die gute Nachricht: Die meisten dieser Folgeerkrankungen lassen sich mit einfachen Mitteln verhindern. Dieser Artikel zeigt, worauf Sie als Angehörige achten sollten und wie regelmäßige Lagerung, Bewegung und ausreichendes Trinken vorbeugen.

Warum Immobilität krank macht

Bewegung hält den Körper in Gang. Sie regt die Durchblutung an, sorgt für tiefe Atmung, hält Gelenke und Muskeln geschmeidig und entlastet die Haut. Fällt diese Bewegung über Tage oder Wochen weg, leidet der ganze Organismus. Genau hier setzt die Vorbeugung an: Wer einen bettlägerigen Menschen regelmäßig umlagert, mobilisiert und zum Trinken anhält, beugt gleich mehreren Erkrankungen auf einmal vor. Pflegekräfte arbeiten dabei nach anerkannten Expertenstandards, die für jede dieser Gefahren konkrete Maßnahmen vorgeben.

Druckgeschwür (Dekubitus)

Ein Dekubitus ist eine Hautschädigung durch anhaltenden Druck. Wo das Körpergewicht dauerhaft auf eine Stelle drückt, werden die kleinen Blutgefäße abgeklemmt, das Gewebe wird nicht mehr versorgt und kann absterben. Besonders gefährdet sind Stellen mit wenig Polster: Steißbein, Fersen, Hüften und Schulterblätter.

  • Erkennen: Erstes Zeichen ist eine Rötung, die auch nach längerer Entlastung nicht verschwindet. Drücken Sie kurz mit dem Finger darauf. Bleibt die Stelle rot statt kurz weiß zu werden, ist das ein Warnsignal. Später können Blasen, offene Stellen oder dunkle Verfärbungen folgen.
  • Vorbeugen: Regelmäßiges Umlagern ist die wichtigste Maßnahme, als Faustregel etwa alle zwei Stunden. Eine gute Hautpflege, weiche Lagerung und bei Bedarf eine Anti-Dekubitus-Matratze entlasten zusätzlich. Solche Hilfsmittel gehören zu den Pflegehilfsmitteln, die die Pflegekasse bezuschusst.

Thrombose

Bei einer Thrombose verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäß, meist in den Beinvenen. Wenn das Blut bei langer Unbeweglichkeit zu langsam fließt, steigt die Gefahr deutlich.

  • Erkennen: Typisch sind ziehende oder krampfartige Schmerzen im Bein, eine Schwellung an Knöchel oder Unterschenkel, eine glänzende, bläulich-rötliche Haut und hervortretende Adern. Plötzliche Beinschmerzen sollten Sie immer ernst nehmen.
  • Vorbeugen: Bewegung und Flüssigkeit halten das Blut in Fluss. Wo eigene Bewegung möglich ist, helfen ein kurzer Spaziergang oder Fußgymnastik. Bei Immobilität übernehmen Angehörige oder Pflegekräfte die Bewegungsübungen. Kompressionsstrümpfe sind ein wichtiges Hilfsmittel, ihren Einsatz sollten Sie aber mit dem Arzt absprechen.

Lungenentzündung (Pneumonie)

Wer flach atmet und Sekret nicht abhustet, was bei langem Liegen häufig vorkommt, riskiert eine Lungenentzündung. Bakterien siedeln sich dann leichter in den Atemwegen an. Menschen ab 65 Jahren zählen zur Risikogruppe.

  • Erkennen: Häufige Anzeichen sind Husten, Atemnot, hohes Fieber, Schüttelfrost und ein starkes Krankheitsgefühl. Auch ein schneller Puls kann darauf hindeuten. Hier sollten Sie früh einen Arzt hinzuziehen.
  • Vorbeugen: Tägliche Atemübungen helfen sehr. Halten Sie den pflegebedürftigen Menschen an, mehrmals täglich tief ein- und auszuatmen und abzuhusten, ein einfacher Atemtrainer kann das unterstützen. Aufsetzen, Stehen oder Gehen fördert die Belüftung der Lunge. Lüften Sie das Zimmer regelmäßig (ohne Durchzug) und achten Sie auf eine sorgfältige Mundpflege.

Gelenkversteifung (Kontraktur)

Werden Gelenke über längere Zeit nicht bewegt, verkürzen sich Muskeln und Gelenkkapseln. Das Gelenk versteift und lässt sich oft nicht mehr vollständig zurückbilden. Daher ist Vorbeugen hier besonders wichtig.

  • Erkennen: Das betroffene Gelenk lässt sich nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen, häufig kommen Schmerzen dazu.
  • Vorbeugen: Bewegen Sie möglichst mehrmals täglich alle Gelenke vorsichtig durch, indem Sie sie beugen, strecken und drehen und dabei mit der Handfläche stützen. Gut eignet sich der Moment vor dem Waschen. Lassen Sie sich die richtigen Bewegungsabläufe einmal von einer Physiotherapeutin oder einem Krankengymnasten zeigen.

Mangelernährung und Austrocknung

Wer wenig Appetit hat, schlecht schlucken kann oder das Trinken vergisst, nimmt oft zu wenig zu sich. Das schwächt den ganzen Körper, lässt die Muskeln schwinden und macht die Haut anfälliger für Druckstellen. Zu wenig Flüssigkeit (Austrocknung) belastet außerdem Kreislauf und Nieren und kann zu Verwirrtheit führen.

  • Erkennen: Achten Sie auf Gewichtsverlust, trockene Lippen und Mundschleimhaut, dunklen Urin, Müdigkeit und neu auftretende Verwirrtheit.
  • Vorbeugen: Bieten Sie über den Tag verteilt regelmäßig kleine Mengen zu trinken an, am besten in Reichweite und in greifbaren Bechern. Eine ausgewogene, eiweißreiche Kost stützt die Muskulatur. Bei Schluckproblemen oder anhaltend wenig Appetit sollten Sie das ärztlich abklären lassen.

Sturz

Mit nachlassender Muskelkraft und Beweglichkeit steigt die Sturzgefahr, gerade beim Aufstehen oder auf dem Weg zur Toilette. Ein Sturz kann zu Brüchen führen und die Pflegebedürftigkeit verschärfen.

  • Erkennen: Warnzeichen sind Unsicherheit beim Gehen, Schwindel, Kreislaufprobleme beim Aufstehen und die Neigung, sich überall festzuhalten.
  • Vorbeugen: Sorgen Sie für freie Wege ohne Stolperfallen, gute Beleuchtung, festes Schuhwerk und Haltegriffe an Bett und im Bad. Gezieltes Bewegungstraining stärkt Muskeln und Gleichgewicht. Ein Hausnotruf und passende Hilfsmittel geben zusätzliche Sicherheit.

So unterstützt der Pflegedienst

Viele dieser Maßnahmen lassen sich im Alltag gut selbst umsetzen. Wo es um fachgerechte Lagerung, Wundbeobachtung oder das frühe Erkennen von Warnzeichen geht, ist es aber beruhigend, geschulte Augen an der Seite zu haben. Im Rahmen der Behandlungspflege achtet ein Pflegedienst gezielt auf Haut, Atmung, Beweglichkeit und Flüssigkeitsaufnahme, lagert nach einem individuellen Plan um und arbeitet dabei nach anerkannten Expertenstandards, etwa zur Dekubitusprophylaxe.

Die alltägliche Unterstützung bei Körperpflege, Bewegung und Ernährung gehört zur Grundpflege und zahlt unmittelbar auf die Vorbeugung ein. Wie Haut- und Mundpflege im Detail gelingen, lesen Sie im Ratgeber zu Körperpflege und Mundpflege. So greifen Vorbeugung durch Angehörige und fachliche Versorgung durch den Pflegedienst Hand in Hand, und viele Folgeerkrankungen entstehen gar nicht erst.

Häufige Fragen

Welche Folgeerkrankungen drohen bei Bettlägerigkeit?
Wer überwiegend liegt oder sich kaum bewegt, hat ein erhöhtes Risiko für Druckgeschwüre (Dekubitus), Thrombosen, Lungenentzündung, Gelenkversteifungen (Kontrakturen), Mangelernährung und Austrocknung sowie Stürze. Diese Erkrankungen lassen sich durch regelmäßige Lagerung, Bewegung und ausreichendes Trinken zu einem großen Teil verhindern.
Wie erkenne ich einen beginnenden Dekubitus?
Erstes Warnzeichen ist eine Hautrötung an einer Druckstelle (oft Steißbein, Fersen oder Hüfte), die auch nach Entlastung nicht verschwindet. Drücken Sie kurz mit dem Finger darauf: Bleibt die Rötung weiß, ist das in Ordnung. Bleibt sie rot, ist Vorsicht geboten. Lagern Sie die Stelle dann sofort um und informieren Sie den Pflegedienst oder Arzt.
Wie oft muss ein bettlägeriger Mensch umgelagert werden?
Als Faustregel gilt etwa alle zwei Stunden, bei stark gefährdeter Haut auch häufiger. Der genaue Abstand hängt vom Hautzustand und von der Matratze ab. Ein Pflegedienst erstellt dafür einen individuellen Lagerungsplan und richtet sich nach den Expertenstandards in der Pflege.
Achtet der Pflegedienst auf Folgeerkrankungen?
Ja. Im Rahmen der Behandlungspflege beobachtet der Pflegedienst gezielt Haut, Atmung, Beweglichkeit und Flüssigkeitsaufnahme, lagert fachgerecht und erkennt Warnzeichen früh. Pflegekräfte arbeiten dabei nach anerkannten Expertenstandards, etwa zur Dekubitusprophylaxe.

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Pflegedienst Bernstein

Pflegedienst Bernstein

Inhabergeführter ambulanter Pflegedienst aus Düsseldorf, seit 2014. Ambulante Pflege, Intensiv- und Beatmungspflege.

Alle Themen finden Sie im Ratgeber. Begriffe kurz erklärt im Pflege-Glossar.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Beträge und Regelungen können sich ändern. Genannte Werte gelten, sofern nicht anders angegeben, für das Jahr 2025 ohne Gewähr. Maßgeblich sind im Zweifel immer die Auskünfte Ihrer Pflegekasse.