Sobald sich ein Mensch nicht mehr selbst pflegen kann, wird die tägliche Körperpflege zur Aufgabe der Angehörigen. Sie ist mehr als Hygiene: Saubere Haut, gepflegtes Haar und ein frischer Mund tun gut, beugen Krankheiten vor und stärken das Selbstwertgefühl. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Waschen, Intimpflege, Mundpflege und Haut- und Nagelpflege so gestalten, dass die Würde des Menschen gewahrt bleibt.
Würde wahren und Selbstständigkeit fördern
Körperpflege ist ein sehr persönlicher Moment. Kündigen Sie jeden Schritt an („Ich wasche jetzt Ihren rechten Arm”) und arbeiten Sie ruhig und behutsam. Lassen Sie den Menschen alles selbst tun, was er noch kann, auch wenn es länger dauert. Das nennt man aktivierende Pflege, und sie erhält Beweglichkeit und Selbstachtung.
Ein paar Grundregeln helfen:
- Sprechen Sie den Zeitpunkt vorher ab und lassen Sie die Person möglichst selbst entscheiden, wann gewaschen wird.
- Wärmen Sie das Zimmer vor und decken Sie Körperteile ab, die gerade nicht gewaschen werden. Das schützt vor Auskühlung und Scham.
- Halten Sie alle Hilfsmittel griffbereit, bevor Sie beginnen.
- Ein Lächeln, ruhige Worte oder die Lieblingsmusik machen die Situation angenehmer.
Waschen: Reihenfolge und Wassertemperatur
Ob am Waschbecken, unter der Dusche oder im Bett: Es gilt eine bewährte Reihenfolge, von sauber zu unrein, von oben nach unten. Beginnen Sie mit dem Gesicht (ohne Seife rund um die Augen), dann Hals, Arme, Hände, Brust und Bauch, Rücken, Beine und Füße. Der Intimbereich kommt zum Schluss, mit einem frischen Waschlappen.
Die Wassertemperatur sollte angenehm warm sein, etwa 37 bis 40 Grad. Prüfen Sie sie mit dem eigenen Handrücken, denn ältere Haut spürt Hitze oft schlechter. Verwenden Sie milde, rückfettende Waschsubstanzen sparsam, weil die Haut im Alter ohnehin trockener wird. Trocknen Sie anschließend gründlich ab, besonders in den Hautfalten, und cremen Sie trockene Stellen ein.
Wer noch mobil ist, profitiert von einem Duschbad: Es regt den Kreislauf an und ist hygienischer als eine Wäsche im Sitzen. Ist das Bad barrierefrei, erleichtern ein Duschstuhl oder ein klappbarer Wandsitz sowie eine rutschfeste Matte den Vorgang. Geht das nicht mehr, waschen Sie im Bett. Ein höhenverstellbares Pflegebett schont dabei Ihren Rücken.
Intimpflege: behutsam und hygienisch
Die Intimpflege kostet anfangs beide Seiten Überwindung. Reden Sie offen darüber, kündigen Sie jeden Schritt an und arbeiten Sie ruhig. Tragen Sie Einmalhandschuhe und nutzen Sie einen separaten Waschlappen oder Einweg-Lappen.
Gewaschen wird immer von vorne nach hinten, also vom Intimbereich in Richtung After, damit keine Keime verschleppt werden. Bei Frauen werden zuerst Schamlippen und Leistenregion gereinigt, zum Schluss der Bereich zum After. Bei Männern beginnt man am Penis, reinigt vorsichtig die Eichel (Vorhaut zurückschieben und danach wieder vorschieben), dann Hodensack und Leistenfalten, zuletzt After und Gesäßfalte. Trocknen Sie alles sorgfältig ab und cremen Sie bei Bedarf. Bei Inkontinenz ist die Intimpflege besonders wichtig, um wunde Haut zu vermeiden.
Diese Aufgaben gehören zur Grundpflege und müssen nicht allein an Ihnen hängen bleiben. Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt sie auf Wunsch ganz oder teilweise, finanziert über die Pflegekasse. Mehr dazu auf unserer Seite zur Grundpflege.
Hautbeobachtung und Dekubitusprophylaxe
Das Waschen ist die beste Gelegenheit, die Haut genau anzusehen. Achten Sie auf:
- Rötungen, die auf Fingerdruck nicht verblassen, vor allem an Steiß, Fersen, Hüften, Ellenbogen und Schulterblättern. Sie sind das erste Anzeichen eines Wundliegens (Dekubitus).
- Trockene, rissige Stellen, wunde Hautfalten oder feuchte Bereiche.
- Druckstellen durch Falten in der Bettwäsche, Knöpfe oder Krümel.
Wer viel liegt oder sitzt, ist besonders gefährdet. Beugen Sie vor, indem Sie regelmäßig die Position wechseln (etwa alle zwei Stunden umlagern), gefährdete Stellen frei und trocken halten und die Haut mit milden Produkten pflegen. Spezielle Antidekubitus-Matratzen und Lagerungskissen helfen zusätzlich. Wie sich solche Folgeerkrankungen vermeiden lassen, lesen Sie ausführlich in unserem Ratgeber Folgeerkrankungen vorbeugen. Melden Sie verdächtige Hautstellen frühzeitig dem Pflegedienst oder Arzt.
Mundpflege und Zahnprothese
Der Mund wird leicht vergessen, ist aber sehr anfällig für Entzündungen. Putzen Sie die Zähne mindestens zweimal täglich und spülen Sie mehrmals am Tag den Mund. Cremen Sie trockene Lippen ein, damit sie nicht einreißen. Bei künstlicher Ernährung oder Schluckstörungen können Sie die Mundhöhle mit feuchten Kompressen auswischen.
Eine Zahnprothese (die dritten Zähne) braucht dieselbe regelmäßige Pflege: nach den Mahlzeiten abspülen, mindestens einmal täglich mit einer Prothesenbürste und milder Paste reinigen, über Nacht in Wasser oder Reinigungslösung legen. Das Tragen am Tag und nachts beugt einer Verformung des Kiefers vor, sofern der Mensch es als angenehm empfindet. Reinigen Sie auch Zahnfleisch und Zunge sanft mit.
Haar- und Nagelpflege
Gepflegtes, frisch riechendes Haar trägt spürbar zum Wohlbefinden bei. Waschen Sie die Haare mindestens einmal pro Woche, bei mobilen Menschen unter der Dusche, sonst mit einer aufblasbaren Kopfwaschwanne direkt im Bett. Gehen Sie behutsam mit dem Thema um, gerade bei Haarausfall. Schneiden oder verändern Sie die Frisur nie ohne Zustimmung.
Bei der Nagelpflege gilt: Fingernägel rund, Fußnägel gerade feilen, am besten nach einem Fußbad, wenn die Nägel weicher sind. Vorsicht bei Menschen mit Diabetes oder Durchblutungsstörungen, hier sollten die Fußnägel besser von einer medizinischen Fußpflege versorgt werden, weil kleine Verletzungen schlecht heilen. Augen reinigen Sie von innen nach außen mit klarem Wasser, die Ohren mit einem feuchten Waschlappen, festsitzendes Ohrenschmalz entfernt nur der Arzt.
Hilfsmittel und Unterstützung
Vieles wird leichter mit den passenden Hilfsmitteln: rutschfeste Matten, Duschstuhl, Waschhandschuhe, Pflegeschaum, Einmalhandschuhe und eine Kopfwaschwanne. Verbrauchsprodukte wie Einmalhandschuhe oder Bettschutzeinlagen zählen zu den zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln, die die Pflegekasse mit bis zu 42 € pro Monat bezuschusst (Stand 2025, ohne Gewähr). Lassen Sie sich von Ihrem Pflegedienst, in der Apotheke oder beim Sanitätshaus beraten, welche Produkte zur Situation passen.
Niemand muss die Pflege allein stemmen. Wenn Sie sich unsicher fühlen oder Entlastung brauchen, hilft eine persönliche Pflegeberatung weiter. Sie zeigt, welche Aufgaben Sie selbst übernehmen möchten und wo ein Pflegedienst einspringt, damit die Körperpflege für alle Beteiligten gut machbar bleibt.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ein pflegebedürftiger Mensch gewaschen werden?
Welche Wassertemperatur ist beim Waschen richtig?
Wie reinige ich eine Zahnprothese richtig?
Worauf muss ich bei der Hautbeobachtung achten?
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Wir beraten Sie unverbindlich und nehmen uns Zeit für Ihre Situation, telefonisch oder bei einem persönlichen Erstgespräch.
Pflegedienst Bernstein
Inhabergeführter ambulanter Pflegedienst aus Düsseldorf, seit 2014. Ambulante Pflege, Intensiv- und Beatmungspflege.
Alle Themen finden Sie im Ratgeber. Begriffe kurz erklärt im Pflege-Glossar.
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Beträge und Regelungen können sich ändern. Genannte Werte gelten, sofern nicht anders angegeben, für das Jahr 2025 ohne Gewähr. Maßgeblich sind im Zweifel immer die Auskünfte Ihrer Pflegekasse.