IntensivpflegeAngehörigeRatgeber

Trachealkanüle versorgen: Absaugen, Cuff und Sprechventil

Worauf es bei der Versorgung einer Trachealkanüle ankommt: Kanülenwechsel und Stomapflege, sicheres Absaugen, Cuff-Druck, Sprechventil und was im Notfall zu tun ist.

| 6 Min. Lesezeit

Eine Trachealkanüle ist ein kurzes, gebogenes Röhrchen, das durch einen Luftröhrenschnitt (das sogenannte Tracheostoma) am Hals direkt in die Luftröhre führt. Über sie atmet der Mensch, wenn der Weg über Mund und Nase dauerhaft nicht ausreicht, etwa nach einer langen Beatmung, bei neurologischen Erkrankungen oder nach Operationen im Kopf- und Halsbereich. Für Angehörige bedeutet das eine Versorgung, die geübt sein will. Die gute Nachricht: Mit Anleitung, festen Abläufen und einem erfahrenen Pflegedienst im Rücken wird der Umgang damit Schritt für Schritt sicherer.

Was ist eine Trachealkanüle und warum braucht sie jemand?

Die Kanüle hält das Tracheostoma offen und sorgt dafür, dass die Atemluft frei in die Lunge gelangt. Manche Kanülen haben einen kleinen aufblasbaren Ballon am unteren Ende, den sogenannten Cuff. Er dichtet die Luftröhre ab, damit kein Speichel oder Mageninhalt in die Lunge gelangt und bei einer Beatmung keine Luft entweicht. Andere Kanülen sind cufflos oder gefenstert, was das Sprechen erleichtert. Welche Variante passt, entscheidet der behandelnde Arzt je nach Situation.

Wichtig für das Verständnis: Über die Kanüle wird die Atemluft nicht mehr in Nase und Rachen angewärmt und befeuchtet. Deshalb gehört eine künstliche Befeuchtung, etwa über eine sogenannte feuchte Nase, fest zur Versorgung. Trockene Schleimhäute führen sonst schnell zu zähem Sekret und Verkrustungen. Viele Betroffene werden zusätzlich beatmet. Mehr dazu lesen Sie auf unseren Seiten zur Beatmungspflege und zur Trachealkanülen-Versorgung.

Wie läuft der Kanülenwechsel und die Stomapflege ab?

Das Stoma und die Haut rundherum brauchen tägliche Aufmerksamkeit. Reizungen, Rötungen oder eine wunde Stelle fallen so früh auf, bevor sie sich entzünden. Die Pflege folgt immer einem ruhigen, gleichbleibenden Ablauf:

  • Hände desinfizieren: Vor jedem Kontakt mit der Kanüle saubere Hände und Einmalhandschuhe.
  • Stoma reinigen: Die Haut rund um das Stoma vorsichtig mit sterilen Kompressen säubern, eingetrocknetes Sekret lösen.
  • Schlitzkompresse wechseln: Die geteilte Kompresse unter dem Kanülenschild fängt Sekret auf und schützt die Haut. Sie wird gewechselt, sobald sie feucht ist.
  • Haltebändchen prüfen: Das Band sitzt richtig, wenn noch ein Finger dazwischenpasst. Zu locker rutscht die Kanüle, zu fest drückt sie.

Der eigentliche Wechsel der ganzen Kanüle ist ein Eingriff, der Übung verlangt und in vielen Fällen geschultem Personal vorbehalten bleibt. Wer ihn als Angehöriger übernehmen soll, wird vorher gründlich angeleitet und übt unter Aufsicht. Eine passende Ersatzkanüle muss immer griffbereit liegen.

Worauf kommt es beim Absaugen an?

Weil der natürliche Hustenstoß über Mund und Nase fehlt, sammelt sich Sekret in der Luftröhre und muss abgesaugt werden. Das Absaugen ist die Maßnahme, die Angehörige am häufigsten durchführen, und gleichzeitig die, die am meisten Respekt verlangt. Saugen Sie nur so oft wie nötig ab, nicht nach festem Plan, sondern wenn Sie hören oder sehen, dass Sekret den Atem behindert.

  • Sauberkeit zuerst: Hände desinfizieren, Einmalhandschuhe anziehen, einen frischen sterilen Katheter verwenden.
  • Ohne Sog einführen: Den Katheter ohne Unterdruck einführen, erst beim Herausziehen vorsichtig saugen.
  • Kurz halten: Ein Absaugvorgang dauert nur wenige Sekunden, damit dem Betroffenen nicht die Luft wegbleibt.
  • Beobachten: Achten Sie auf Hautfarbe, Atmung und die Menge und Farbe des Sekrets. Wird es plötzlich blutig, gelblich oder übel riechend, informieren Sie den Pflegedienst oder Arzt.

Diese Technik lernt man nicht aus einem Text, sondern am Bett, begleitet von einer Pflegefachkraft. In der ambulanten Intensivpflege übernehmen unsere Mitarbeitenden das Absaugen rund um die Uhr, wenn Angehörige es nicht leisten können oder wollen.

Was hat es mit dem Cuff-Druck auf sich?

Bei einer geblockten Kanüle ist der richtige Druck im Cuff entscheidend. Ist er zu hoch, drückt der Ballon auf die empfindliche Schleimhaut der Luftröhre und kann sie schädigen. Ist er zu niedrig, dichtet er nicht ab, und es besteht die Gefahr, dass Speichel in die Lunge gelangt. Deshalb wird der Druck regelmäßig mit einem speziellen Messgerät, dem Cuffdruckmesser, kontrolliert und im üblichen Bereich gehalten.

Den Cuff zu blocken oder zu entblocken gehört zu den Aufgaben, die ärztlich angeordnet und genau festgelegt werden. Halten Sie sich strikt an die Vorgaben und ändern Sie nie eigenmächtig etwas am Druck. Bei Unsicherheit rufen Sie lieber einmal mehr beim Pflegedienst an.

Wie ermöglicht ein Sprechventil das Sprechen?

Viele Betroffene können trotz Kanüle wieder hörbar sprechen. Möglich macht das ein Sprechventil, ein kleines Aufsatzventil, das Luft beim Einatmen einlässt, beim Ausatmen aber verschließt. So strömt die Ausatemluft an den Stimmbändern vorbei nach oben, und es entsteht wieder eine Stimme.

Voraussetzung ist, dass der Cuff entblockt ist, denn sonst kann die Luft nicht nach oben entweichen. Ein Sprechventil bei geblocktem Cuff wäre gefährlich. Ob und wann ein Sprechventil eingesetzt wird, klären immer Arzt und Logopädie. Für viele Menschen ist es ein großer Gewinn an Lebensqualität, weil sie sich wieder mitteilen können.

Sicherheit und Notfall: was muss immer griffbereit sein?

Bei der Versorgung einer Trachealkanüle zählt Vorbereitung mehr als alles andere. Ein Notfallkoffer oder eine feste Ablage mit allem Nötigen gehört immer in Reichweite:

  • Ersatzkanülen: Eine gleich große und eine kleinere Kanüle für den Fall, dass die übliche nicht passt.
  • Absauggerät: Funktionsbereit, mit aufgeladenem Akku und Ersatzkathetern.
  • Beatmungsbeutel: Falls die Atmung aussetzt und überbrückt werden muss.
  • Notfallnummern: Pflegedienst, Arzt und 112 gut sichtbar notiert.

Warnzeichen, bei denen Sie sofort handeln müssen, sind plötzliche Atemnot, eine bläuliche Verfärbung von Lippen oder Haut, Unruhe oder eine Kanüle, die herausrutscht. In solchen Momenten gilt: Ruhe bewahren, absaugen, im Zweifel die 112 rufen. Wer regelmäßig geübt hat, reagiert auch unter Druck sicherer.

Wann übernimmt der Pflegedienst die Versorgung?

Niemand muss diese anspruchsvolle Versorgung allein stemmen. Die Versorgung einer Trachealkanüle gehört zur spezialisierten Intensivpflege und kann je nach Bedarf vollständig oder ergänzend durch einen Pflegedienst geleistet werden. Bei dauerhaft hohem Versorgungsbedarf ist oft eine Eins-zu-eins-Betreuung über viele Stunden am Tag möglich, finanziert über die Kranken- und Pflegekasse.

Unsere Pflegefachkräfte übernehmen das Absaugen, die Stoma- und Kanülenpflege, die Cuff-Kontrolle und die Bedienung der Beatmungstechnik. Gleichzeitig leiten wir Angehörige an, die selbst mitversorgen möchten, und geben ihnen die Sicherheit, dass im Hintergrund immer jemand erreichbar ist. Was darüber hinaus über eine ärztliche Verordnung läuft, lesen Sie auf unserer Seite zur Behandlungspflege. Begriffe rund um die Pflege erklären wir im Glossar.

Häufige Fragen

Dürfen Angehörige selbst absaugen?

Ja, das ist nach gründlicher Anleitung durch eine Pflegefachkraft möglich und im häuslichen Bereich üblich. Wichtig sind saubere Technik, Übung unter Aufsicht und das Wissen, wann man besser den Pflegedienst hinzuzieht. Niemand wird ins kalte Wasser geworfen.

Wie oft muss eine Trachealkanüle gewechselt werden?

Das hängt vom Kanülentyp und der Sekretmenge ab und wird ärztlich festgelegt. Die innere Kanüle wird oft mehrmals täglich gereinigt, die gesamte Kanüle in größeren Abständen gewechselt. Genaue Vorgaben erhalten Sie von der Klinik und Ihrem Pflegedienst.

Kann mein Angehöriger mit Trachealkanüle wieder sprechen?

In vielen Fällen ja, mit einem Sprechventil und entblocktem Cuff. Ob das möglich ist, entscheiden Arzt und Logopädie individuell. Auch Essen und Trinken sind je nach Situation wieder möglich, wenn der Schluckvorgang sicher ist.

Wer trägt die Kosten der Versorgung zu Hause?

Die ambulante Intensivpflege wird in der Regel über die häusliche Krankenpflege der Krankenkasse und die Pflegeversicherung finanziert. Wir beraten Sie, welche Leistungen Ihnen zustehen und wie die Beantragung läuft. Mehr dazu auch in unserer Pflegeberatung.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

Wir beraten Sie unverbindlich und nehmen uns Zeit für Ihre Situation, telefonisch oder bei einem persönlichen Erstgespräch.

Pflegedienst Bernstein

Pflegedienst Bernstein

Inhabergeführter ambulanter Pflegedienst aus Düsseldorf, seit 2014. Ambulante Pflege, Intensiv- und Beatmungspflege.

Alle Beiträge finden Sie im Blog.